2017 im Februar – OBiWe in Görlitz

Ha, … endlich ist es so weit. Ein paar Mädels des Bikerdamen-Dresden-Stammtisch´s fahren nach Görlitz in die Jugendherberge zu einem Wochenende „Ohne Bike“.
Hintergrund ist meine Erinnerung an den Hamburger Stammtisch und die verbundene tolle Erfahrung eines solchen WE´s. Irgendwann im Herbst 2016 machte ich den Damen in Dresden solch einen Vorschlag und traf damit ins „Schwarze“. Erste Hürde, einen Termin finden, ist wohl immer das Schwierigste. Es sollte im Januar oder Februar stattfinden, die Monate mit den wenigsten Terminen, ab März juckt ja dann schon wieder bei einigen die Gashand.
Termin gefunden, Interessentinnen auch, so dass wir dann mit 2 Quotengästen auf 8 Personen gekommen sind. Mit Görlitz waren auch alle begeistert, denn obwohl die Stadt so nah, ist sie einigen doch recht unbekannt. Der 3.2. kam heran, noch ein paar Absprachen, wer, wie, wann anreist. 18 Uhr sollte Treff in der JH sein. Fast genau auf die Minute pünktlich waren wir alle wie verabredet in der Unterkunft, welche genial mitten in der Altstadt liegt, einziges Manko … keine Parkmöglichkeit vor oder auf dem Gelände. Dies beziehe ich jetzt vor allem hinsichtlich der Option mit ein, doch auch mal mit Moped da zu sein. Wenn man jedoch das Moped 3 Straßen weiter parken muss, kann Frau doch nicht ruhig schlafen. Na jedenfalls treffen wir uns in den uns zugewiesenen Zimmern und es gibt erst einmal ein herzliches „Hallo“ mit einem selbst mitgebrachten kleinen Begrüßungsgetränk z. Bsp. Heikes Aronia-Likör.
Danach war Betten beziehen dran … wie in den jungen wilden Jahren … grins. Es wurde mehr gelacht und klug geredet, wie denn nun der Zippel in die und der andere Zippel in die andere Ecke kommt, als dass man zügig voran kam. Die Lust auf Abendbrot war dann doch der Beschleuniger und so begaben wir uns alsbald auf Nahrungssuche. Das war schon Erlebnis pur. Auf der Suche nach einem Lokal streiften wir durch die Gassen und waren schon da beeindruckt. Obwohl nur im Laternenlicht unterwegs, war schon erkennbar, was uns am nächsten Tag erwartete … freu. Nach ein paar Kreuzungen, Ecken, vielen Pflastersteinen fanden wir Gefallen an den Gambrinus Bierstuben in der „Schwarze Straße 1“. Eine gemütlich rustikale Atmosphäre mit einer spannenden Speisekarte lud uns ein und wir hatten das Glück, unangemeldet zu siebend Platz zu finden. Schnell traf jede ihre Wahl, man hatte inzwischen Hunger … so sehr, dass es auch vorkommt, beim Getränkewunsch schon die Bratkartoffeln zu erwähnen …;-)))
Die Portionen sind üppig, so dass sich ein Teil unserer Runde entscheidet, statt den kürzesten Weg zur JH zu nehmen, noch einen Verdauungsspaziergang zu unternehmen. So schlenderten wir durch weitere, im Licht der Laternen gelegene Sträßchen bis ans Ufer der Neiße und mussten dann wenigstens einmal ganz unaufgeregt den Fuß auf polnischen Boden setzen.  Wieder zurück, vorbei an der Peterskirche war man dann doch schnell wieder an der JH und betrat diese durch das große Eingangstor. Wir sagten der Stadt „Gute Nacht „ und schlossen die Tür hinter uns. Auf dem Zimmer hatten wir noch einmal gut Unterhaltung bis dann irgendwann gegen Mitternacht doch die Müdigkeit Oberhand gewann und wir uns brav in unsere Betten begaben. Immerhin, am nächsten Morgen waren die Wecker auf 8 Uhr gestellt.
Samstagmorgen. Eine nach der Anderen findet den Weg zum Frühstück im Saal. Ein tolles Frühstück, sogar Rührei … freu und strahlender Sonnenschein sorgen dafür, dass die Müdigkeit schnell verbannt wird. Voller Neugierde und Tatendrang schmieden wir einen Tagesplan. Los geht es mit dem Kulturhistorischen Museum in der Neißestraße, quasi von der JH aus gleich um die Ecke. Es gilt als das bedeutendste Handels- und Wohnhaus der Barockzeit in Görlitz. Darin untergebracht sind u.a. die sehr sehenswerte Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften sowie diverse Sammlungen zu den wissenschaftlichen Arbeiten. Außerdem wird ein sehr authentischer Eindruck der bürgerlichen Kultur des Barocks in Görlitz und der Oberlausitz vermittelt. Besuch lohnt sich!!! 
Weiter geht es, wir werden schon von Anja und Kerstin erwartet, welche die Stadtführung organisiert haben, und Herrn Vater, welcher uns etwas über die Gebäude und Geschichte der Altstadt erzählen wird. Es ist 12 Uhr. Die Sonne gibt ihr Bestes, trotzdem pfeift ein recht frostiges Lüftchen durch die Gassen. Herr Vater lässt uns eintauchen in die Zeit des Barocks und des Wohlstands von Görlitz, indem er uns durch die Gassen ausgewählter Hinterhöfe führt und dabei mit Leidenschaft von der Baukunst und den Hintergründen berichtet. Nach knapp 2 Stunden beschließt Herr Vater seine Führung mit dem Hinweis auf seine geschriebenen Reiseführer – Rundgang durch die historische Altstadt und ein weiteres schönes Buch, „Görlitz- Eine Stadt mit vielen Gesichtern“ über die Architektur und Kultur in Görlitz. Im Anschluss bummeln wir alle durch die Stadt und durch ein paar Läden, um uns dann zu einer verdienten Kaffeepause niederzulassen.
Frisch gestärkt und aufgewärmt spazieren einige von uns zum Kaisertrutz, eine von ehemals 32 Basteien in Görlitz, angelegt als Bastion zur Sicherung der von Westen durch die Stadt verlaufenden Handelsstraße Via Regia. Leider sind wir zu spät dran, denn es ist 17 Uhr und damit gerade geschlossen. Kurzentschlossen entscheiden wir, unseren Spaziergang in Richtung Nikolaivorstadt fortzusetzen. Dabei passieren wir das Finstertor, welches Teil der früheren Befestigungsanlage um Görlitz war und heute das einzige noch erhaltene Stadttor ist. Das direkt angrenzende Fachwerkhaus / Scharfrichterhaus, übrigens der einzige vollständig erhaltende Fachwerkbau in Görlitz, diente spätestens seit 1571 dem Scharfrichter als Wohnung, denn oftmals musste er aufgrund seines unehrenhaften Berufes vor den Stadtmauern leben. Im weiteren Verlauf gelangen wir zum Nikolaikirchhof. Auf dem im Jahr 1310 erstmals erwähnten, nördlich der Nikolaikirche gelegenen Nikolaifriedhof blieben wertvolle barocke und klassizistische Grüfte und Grabdenkmäler erhalten. Auch das Grab des Görlitzer Schuhmachers und berühmten Gelehrten (Theosophen) Jacob Böhme (1575-1624) befindet sich hier.
Mittlerweile verabschiedet sich der Tag mit einem wunderschönen Sonnenuntergang und wir stellen fest, dass uns zunehmend fröstelt, sich der Appetit bemerkbar macht und eine Örtlichkeit (Dixi) auch nicht verkehrt wäre. So setzen wir uns zügig in Bewegung und da die JH auf dem Weg liegt, schwenken wir da kurz ab, erledigen das, was wichtig ist und brechen dann gemeinsam zum Abendbrot auf. Diesmal geht es ins „Spundloch“, eine Insiderkneipe, welche mit ihrem urigen Charme, Herzlichkeit und leckeren Speisen besticht. Nur gut, dass wir für 18 Uhr reserviert haben, denn innerhalb kurzer Zeit sind quasi alle Plätze belegt. Wir lassen es uns schmecken und den Tag Revue passieren … viel gesehen, gehört, erfahren. An dieser Stelle noch einmal besten Dank an Anja und Kerstin für´s Organisieren der Stadtführung und den individuellen Rundgang durch die Nikolaivorstadt.
Vollgefuttert freuen wir uns dann auf den Rückweg zur JH, welcher noch durch eine witzige Episode im Spätverkauf sehr amüsant und kurzweilig wird. Zurück in der JH machen wir es uns im TV-Raum gemütlich, denn nun wollen wir ein paar Reiseberichten lauschen, welche die Eine oder Andere von uns mitgebracht hat. Sehr amüsant und lehrreich wird darüber berichtet, wie 2 Frauen, 2 Motorräder, Hänger und Transporter den Süden Frankreich´s unsicher machen ;-)). Und ein anderer spannender und sehr interessanter Bericht handelt von China u.a. einer chinesischen Hochzeit. Island stand ebenso auf dem Plan, aber irgendwann hat ein Tag auch ein Ende und die Vitalwerte bitten um Beachtung, so dass diese Berichterstattung nicht aufgehoben, nur aufgeschoben wurde, d.h. Fortsetzung folgt! Es ist längst nach Mitternacht, als sich jede in ihr „komfortables“ JH-Bett kuschelt :-))
Sonntag, 5.2.2017
Aufgewacht und fröhlich gelacht … naja, man gibt sich Mühe, immerhin es ist eine unchristliche Zeit zum Sonntag 8 Uhr. Jedoch kaum, dass wir alle im Speisesaal am Tisch sitzen, wird schon wieder geschnattert, als hätte man sich ewig nicht gesehen … lach.
Wir beschließen, 10 Uhr das Schlesische Museum zu Görlitz zu besuchen. Die Sammlung gibt einen Einblick in 1000 Jahre Kulturgeschichte Schlesiens. Ein Teil widmet sich den Landschaften, wie dem Riesengebirge und Städten wie z.B. Breslau. Ein weiterer Teil zeigt Handwerkskunst, Geschichte sowie die Menschen und deren Lebens- und Arbeitsbedingungen. Bemerkenswert ist das Gebäude für sich schon allein. Mit seiner prachtvollen Fassade, der reichen Bauplastik und den üppig bemalten Holzdecken gibt das Gebäude einen Eindruck von Lebensart und Reichtum im alten Görlitz. Weiter geht’s – denn der nächste Programmpunkt wartet schon. Ganzjährig findet in der Peterskirche an jedem Sonntag nach dem Gottesdienst um 12.00 Uhr ein sogenannter Orgel.Punkt12 statt. Durchgefroren (es war kälter als draußen … klapper) stiefelten wir danach zum zweiten Versuch, den Kaisertrutz zu besuchen. Auf dem Weg dahin konnten wir an einem Glühweinstand nicht vorbei laufen … freu! Mit einer inneren wohligen Wärme gingen wir nun unseren letzten Kulturpunkt an. Wieder eine sehr anschauliche Ausstellung zu Leben und Wirken in dieser Region vom Anfang bis heute.  Abschließend trafen wir uns alle im Ratscafé am Untermarkt. Bei sämtlichen köstlichen heißen Getränken und Kuchen und anderen Leckereien beendeten wir unser 1. OBI-WE ganz genussvoll und entspannt.

Wir kamen zum Fazit ganz am Schluss, dass es ein 2. OBI-WE geben muss!

Eure Esther, 21.Februar 2017